Kurz & gut

Staatsoper Hamburg
Musiktheater im Wandel

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„Sprengt die Opernhäuser in die Luft“ – was der Komponist Pierre Boulez in den 1960er-Jahren gefordert hatte, weil er nicht mehr an zeitgenössische Oper glaubte, ist nie eingetreten. Die Oper lebt – und die Hamburger Staatsoper ist bestes Beispiel dafür: Seit Beginn der Intendanz von Georges Delnon/ Kent Nagano wird hier behutsam, aber stetig modernisiert. Ob die Verpflichtung gefragter Sprechtheater- Regisseure, Uraufführungen zeitgenössischer Werke, das Engagement internationaler Stars, wie beispielsweise Barbara Hannigan, deren Lulu 2017 von Kritikern zur „Aufführung des Jahres“ gewählt wurde, oder die Wiederbelebung der Opera stabile als Experimentier-Theater – Delnon und Team ist es gelungen, die Oper zu öffnen, was man nicht nur an den riesigen Fenstern des Baus von Stararchitekt Gerhard Weber (übrigens ein ehemaliger Bauhaus-Schüler) sieht. Dazu beigetragen hat auch das moderne Kommunikationskonzept: Im Blog der Website geben Sänger, Regisseure und Dramaturgen Einblick in ihre Arbeit, „Moin Mozart!“ bittet zum Singen – auf dem Jungfernstieg. Außerdem lädt die Staatsoper regelmäßig Tester zu den Hauptproben ein, die dann auf der Homepage der Oper darüber bloggen. Kürzlich über den fulminanten Saison-Auftakt: der ebenso quietschbunten wie umjubelten Premiere von „Cosi fan tutte“.



Tina-Turner-Musical
Vom West End an die Waterkant

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Wenn Tina Turner ein Musical über ihr Leben autorisiert, kann man es getrost anschauen. Denn nötig hat die mittlerweile 78-jährige Ausnahmekünstlerin weder Ruhm noch Moneten. Die Deutschlandpremiere des Londoner Musicals „Tina“ sicherte sich kürzlich das Hamburger Operettenhaus. Ab März 2019 können Besucher Tina Turners Leben von den Anfängen in Nutbush, Tennessee, bis zu ihrer Verwandlung in die weltweite „Queen of Rock“ folgen. Das Musical, so die Macher, „erzählt die Geschichte einer Frau, die es wagte, die Grenzen von Alter, Geschlecht und Hautfarbe zu sprengen.“ Ein Plot, der offenbar den Nerv der Zeit trifft: Die Produktion im Londoner West End wurde soeben bis Juli 2019 verlängert.



Souvenirs, Souvenirs
Die Geschichte der City-Höfe

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Kaum ein Gebäude wird in Hamburg so kontrovers diskutiert wie der 1958 fertiggestellte City-Hof in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof. Schandfleck? Denkmal? Vergessenes Juwel, das nach einer gründlichen Sanierung wieder zu neuem Glanz käme? Die Autorinnen liefern mit ihrem Buch ein facettenreiches Porträt des Hochhauskomplexes und der Menschen, die darin arbeiten. Der wie aus der Zeit gefallen wirkende City-Hof wird von den Fotografen Nicole Keller und Oliver Schumacher von Dach bis Keller mit genauem Blick vorgestellt. In 24 Gesprächen kommen Personen zu Wort, die teilweise seit Jahrzehnten ihr Büro, Ladengeschäft oder Restaurant in einem der Türme haben. Vom Mitarbeiter des Bezirksamts Hamburg-Mitte bis zu den Inhabern des italienischen Restaurants in Block C. Kein Urteil, keine Parteinahme, aber ein überfälliger Beitrag zur anhaltenden Debatte. Junius Verlag, 29,90 Euro



Fortbildung
Qualität ist das beste Rezept!

Das Zertifizierungsverfahren des Tourismusverbandes Hamburg ist für dieses Jahr abgeschlossen und sorgt seit dem 1. September für gleichbleibende Qualität der Gästeführer, die mit ihren Gruppen die Plaza besichtigen. Für das Zertifizierungsverfahren 2019 können sich Interessierte ab Januar 2019 beim TVH anmelden. Die Termine für die Prüfungen: 19. 2., 10 Uhr, 28. 2., 14 Uhr, 4. 3., 10 Uhr, 13. 3., 15 Uhr.

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Happy Birthday!
45 Jahre Pulverfass Cabaret

Seit 1973 zeigen internationale und nationale Künstler, was es heißt, eine Frau zu sein – als Mann. Bis 2001 am Pulverteich, seitdem auf der Reeperbahn. Täglich außer dienstags bietet das Cabaret-Theater einen bunten Mix aus Conferencen, Striptease, Live-Gesang, Starparodien und Comedy inklusive kulinarischer Genüsse. Heinz-Diego Leers, damals frisch getrennt, nachdem seine Frau von seiner Bisexualität erfahren hatte, wollte eigentlich eine Disco für Schwule eröffnen und hatte zur Premiere Travestiekünstler aus Berlin geladen – der Anfang von Deutschlands einziger regelmäßiger Travestie-Show mit Las-Vegas-Appeal.
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Anfang September lud die Pulverfass-Familie zur großen Jubiläumsshow, auf der unter anderem eine bestgelaunte, stimmgewaltige Ireen Sheer musikalisch gratulierte. Schön, dass sich das Konzept trotz wandelnder Zeiten und Ansprüche gehalten hat! Auf die nächsten 45!



Gastro-Konzept
Kulinarische Überraschung in Rothenburgsort

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„Kartoffel mit Butter und Salz. Das ist pure Emotion.“ Wer so etwas sagt, soll ein Chefkoch sein? Thomas Imbusch ist einer. Und beweist mit seinem neuen Restaurantkonzept 100/200, dass er natürlich weit mehr als Kartoffeln kochen kann. Seine Gerichte, etwa Forellenfilet, Forellenkaviar mit Fliederbeeren und gefrorenem Kefir oder schlicht ein ganzes Huhn zum Drumherumsäbeln folgen einem ganzheitlichen Ansatz. Sprich: Es wird alles Essbare des jeweiligen Tieres verwendet. Gezahlt wird vorher (online), gegessen, was auf dem Tisch kommt. Und das mit schönstem Blick über die Elbe oder wahlweise einem Blick in die zentrale Küche. Daumen hoch!



Cap San Diego
„Ringelnatz ein echter Schatz“

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„Kuddel Daddeldu“-Fans, aufgepasst: Joachim Ringelnatz heuert auf der „Cap San Diego“ an! Helga Siebert, Schauspielerin, Schreiberin und Kabarettistin, und die Akkordeonspielerin Angelika Eger bringen das Werk des genialen Dichters und Kabarettisten auf die Planken. Dafür haben sie die Luke 4 auf dem Museumsschiffgekapert. Joachim Ringelnatz (1883–1934) fuhr selbst viele Jahre zur See, bevor er zur Kunst wechselte. Der in Berlin lebende Kabarettist erhielt 1933 unter den Nationalsozialisten Auftrittsverbote in Hamburg und München, seine Bücher wurden größtenteils verbrannt. Auf der „Cap San Diego“ werden sein skurriler Humor und sein Sprachwitz jetzt wieder lebendig. 8. und 29. 11. und 20. 12. um 20 Uhr („Ringelnatz- Weihnachts-Special“), Tel. 36 42 09

FOTOS — mediaserver.hamburg.de/Michael Zapf, stage entertainment, Junius Verlag, Hans Jörg Michel, yelp, Pulverfass, PR
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