Die bewegen was! Image 1

Gute Köpfe

Die bewegen was!

Ob Deutsches Hafenmuseum, Dialoghaus oder neues CCH, Übernahme des Hotels „Louis C. Jacob“ oder Öffnung des Großmarkts für Besucher: Diese fünf Frauen bringen Hamburg mit Know-how und Ideen nach vorn
TEXT — Ulrike Fischer

— „Wie kann man Globalisierung heute darstellen?“ Diese Frage treibt Ursula Richenberger, Direktorin des zukünftigen Deutschen Hafenmuseums, derzeit um. „Globalisierung wird das Hauptthema unseres neuen Museums sein, denn nichts hat die Welt so sehr verändert wie sie!“, erklärt die gebürtige Schweizerin: „Wie weltweiter Handel funktioniert, welche Netzwerke dazugehören, wer Gewinner, wer Verlierer ist, sowohl historisch als auch aktuell, all das möchten wir im neuen Deutschen Hafenmuseum erfahr- und fühlbar machen!“

Schuppen 50, Ursula Richenberger hat es sich auf dem Trailer einer Zugmaschine bequem gemacht. Seit fünf Jahren leitet sie das Hamburger Hafenmuseum, nicht die schlechteste Vorbereitung für das neue Deutsche Hafenmuseum
Schuppen 50, Ursula Richenberger hat es sich auf dem Trailer einer Zugmaschine bequem gemacht. Seit fünf Jahren leitet sie das Hamburger Hafenmuseum, nicht die schlechteste Vorbereitung für das neue Deutsche Hafenmuseum

»Wir sind ein lautes, dreckiges Museum. Die Leute wollen die Sachen anfassen und mitmachen, das soll auch im neuen Deutschen Hafenmuseum so werden!«

Ursula Richenberger, Museumsleiterin
15 Jahre arbeitete die Kulturwissenschaftlerin vorher im Altonaer Museum und profitierte besonders von der Zeit, als es kurz vor der Schließung stand: „Da habe ich gelernt, was Bürgerbeteiligung und bürgernahe Konzepte bewirken können. Die Identifikation der Hamburger mit ihrem Museum, die Öffnung zu Disziplinen wie Musik, Theater, Literatur und Film – das macht für mich ein modernes Museum aus!“, so die 48-Jährige. Als sie das Hafenmuseum Hamburg 2013 von Achim Quaas übernahm, brachte sie genau diese Erfahrung ein: Sie öffnete den Schuppen 50 für Lesungen und Konzerte, kooperierte u. a. mit dem Ohnsorg-Theater, das dort ein Stück mit ehemaligen Hafenarbeitern auf die Bühne brachte. Richenberger steigerte die Besucherzahlen in den letzten vier Jahren von 22 000 auf zuletzt 35 000 im Jahr. Dass Hamburgs Verantwortliche dieser Frau 120 Millionen Euro anvertrauen, um das Deutsche Hafenmuseum inklusive restaurierter „Peking“ zu einem neuen Hotspot Hamburgs zu machen, ist nicht aus der Luft gegriffen.

„Eigentlich waren die ,Peking‘ und das Museum als Ergänzung zu den Olympischen Spielen gedacht“, erzählt Ursula Richenberger. „Bei der Restmittelvergabe des Bundes ging es darum, zusätzlich einen neuen Kulturort zu schaffen. 120 Millionen Euro wurden im November 2015 bewilligt – nur eine Woche später entschieden sich die Hamburger gegen Olympia. Da hatten wir das Geld schon in der Tasche!“, sagt sie und kann sich ein Grinsen nicht verkneifen.

Die bewegen was! Image 3
Hätten Sie’s gewusst? Als Flying P-Liner werden alle Viermaster der Reederei Laeisz bezeichnet, die einst die sichersten und schnellsten der Welt waren. Das P geht auf den Spitznamen der Gattin des Reeders zurück, die er „Pudel“ nannte. Erst taufte der eine Bark nach ihr, dann folgten „Pamir“, „Preussen“, „Peking“, „Padua“, „Passat“ ... 
— 
peking-freunde.de
Auch wenn der Standort noch nicht geklärt ist – auf jeden Fall soll es zwei Orte geben. Richenberger: „Das jetzige Museum bleibt und wird im Deutschen Hafenmuseum aufgehen. Hier zeigen wir Arbeitswelt und Technik, und auch die ,Peking‘ wird hier liegen.“ Begeistert berichtet die Schweizerin von einem Foto aus den 1920er-Jahren: „Das zeigt die legendäre Viermastbark hier im Hansahafen. Genau das können wir jetzt nachstellen!“ Etwas zäher läuft die Standortsuche für den Neubau. „Unser Lieblingsort wäre der Kleine Grasbrook, direkt im Hafen, möglich wäre auch ein Platz zwischen den Musicals und Blohm&Voss – Hauptsache, er ist im Hafen.“ Was auch immer passiert, Ursula Richenberger bleibt optimistisch: „Wir haben die ,Peking‘, wir haben diesen Standort, und die Finanzierung steht.“ Bis die Entscheidung fällt, wird die leidenschaftliche Museumsmacherin ihr inhaltliches Konzept vorantreiben. Weltweit hat sie sich maritime Museen angeschaut. „Mit dem Thema Globalisierung setzen wir einen einzigartigen Schwerpunkt. Das Museum soll zudem durchgehend bespielbar sein, auch kostenlose Angebote machen, ein Ort für die Nachbarschaft Veddel und Wilhelmsburg werden, eng verwoben mit dem Hafen – und natürlich für Touristen da sein“, sagt Ursula Richenberger und fügt selbstbewusst hinzu: „Wir wollen der zweite Ort werden, der nach der Elphi besucht wird.“

Was gibt’s zu sehen? Allerhand! Beim Interviewtermin zeigt Ursula Richenberger natürlich ihre „Schatzkammer“, den Kaispeicher 50. Besonders wichtig ist ihr die Kooperation mit allen anderen Museen, wie zum Beispiel der Ballinstadt und dem Maritimen Museum
Was gibt’s zu sehen? Allerhand! Beim Interviewtermin zeigt Ursula Richenberger natürlich ihre „Schatzkammer“, den Kaispeicher 50. Besonders wichtig ist ihr die Kooperation mit allen anderen Museen, wie zum Beispiel der Ballinstadt und dem Maritimen Museum



— Das Dialoghaus ist ein echter Überraschungserfolg. Gab man dem Initiator Dr. Andreas Heinecke anfangs zwei Jahre, in der damals noch wegen des Freihafens schwer zugänglichen Speicherstadt am Alten Wandrahm, also ab vom Schuss und ohne größere Mittel, ist die DIALOGHAUS HAMBURG GmbH heute ein weltweit agierendes Unternehmen.

Elke Theede, Kommunikatorin und Geschäftsführerin seit 2015, fasst die Entstehung und den Kern des Dialoghauses zusammen: „Dr. Andreas Heinecke war damals Redakteur beim Südwestfunk und sollte einen erblindeten Kollegen in der Redaktion einarbeiten. Er dachte noch ,Oh Gott, wie schwierig, der arme Mann‘, traf dann aber auf einen selbstbewussten, eigenständigen Menschen, der ihm schnell beibrachte, dass Blindsein nicht Blödsein bedeutet, schließlich hat man nur einen Sinn weniger. Es entstand eine langjährige Freundschaft und schließlich die Idee zu ,Dialog im Dunkeln‘.“ Ein Haus, in dem Blinde die Sehenden sind, und Sehende erleben, was es heißt, blind zu sein: „Das Konzept Rollentausch war 1989 ein absolutes Novum“, erklärt die Geschäftsführerin. Und sie ist stolz darauf, dass dieses Konzept Auswirkungen hat. „Sehende und Hörende lernen in unseren Ausstellungen durch den Perspektivwechsel einen anderen Umgang mit blinden und hörgeschädigten Menschen, weil sie am eigenen Leib erfahren, wie es sich anfühlt.“ Theede ergänzt: „Das ist der Unterschied: Wir stopfen die Leute nicht mit Wissen voll, sondern lassen sie Erfahrungen machen.“ Dass Menschen nach einem Besuch des Dialoghauses auch im Alltag anders mit Blinden und Hörgeschädigten umgehen, liegt auf der Hand. „Aber es ist schon interessant, Touristen in der Lobby zu beobachten – die gucken dann die Mitarbeiter an, und man kann in ihren Gesichtern lesen, dass die sich fragen ,Hmm, ist die jetzt blind?‘ oder ,Kann der mich hören?‘.“

Die bewegen was! Image 5
Weltweit teilt das Hamburger Dialoghaus heute seine Ausstellungen, u. a. in der Türkei, Südkorea, Indien, Australien, China, Thailand, Japan, Russland.
— 
dialog-in-hamburg.de
Seit Kurzem können Besucherinnen und Besucher eine weitere Welt erfahren: die Ausstellung „Dialog mit der Zeit“. Theede: „Wir alle werden in Zukunft wesentlich älter, die Lebenskonzepte ändern sich. Wenn man mit 65 in Rente geht und dann 105 Jahre alt wird – das verlangt ein Umdenken!“ Es geht in der Ausstellung darum, die Potenziale des Älterwerdens auszuloten. „Hier kommen die jungen Leute mit unseren über 70-jährigen Guides ins Gespräch“, erklärt Theede. „Im ersten Raum fragen wir beispielsweise, was ,Happy Aging‘ bedeutet. Da fangen auch junge Leute an, übers Alter nachzudenken. Wenn sie vom Altwerden in der Großfamilie träumen, müssen sie schon in naher Zukunft etwas dafür tun.“

»Alles, was wir verdienen, geht ins Unternehmen zurück, denn wir sind eine gemeinnützige GmbH. Nachhaltigkeit bedeutet für uns, einen Fußabdruck in dieser Gesellschaft zu hinterlassen. Das Fortbestehen dieses einzigartigen Konzepts ist jedenfalls gesichert«

Elke Theede, Geschäftsführerin Dialoghaus
Dialoghaus-Geschäftsführerin Elke Theede lebt mit ihrem Mann in Volksdorf, liebt aber den Hafen und die Breite Straße, in der sie ihre erste Wohnung hatte: „Laut, schmutzig, sympathisch – wie meine Heimat: das Ruhrgebiet“
Dialoghaus-Geschäftsführerin Elke Theede lebt mit ihrem Mann in Volksdorf, liebt aber den Hafen und die Breite Straße, in der sie ihre erste Wohnung hatte: „Laut, schmutzig, sympathisch – wie meine Heimat: das Ruhrgebiet“



— Heike Mahmoud arbeitet seit fast 30 Jahren in der Kongress-Industrie, allein 16 Jahre davon im Berlin Convention Office. „Nach einer so langen Zeit fragt man sich schon, ob nicht noch mal was Neues kommt“, erzählt die gebürtige Ostberlinerin. Die Ausschreibung für die Leitung des Congress Centrum Hamburg (CCH) kam ihr gerade recht: „Es ist für mich eines der spannendsten Projekte in Deutschland!“ Die Topmanagerin ist seit dem 1. März an Bord. Ihr ehrgeiziges Ziel: Sie will sowohl Veranstaltungen als auch die Teilnehmerzahlen im neuen CCH verdoppeln. „Aber es stecken schließlich auch 200 Millionen Euro Steuergelder drin, da entsteht zu Recht eine Erwartungshaltung. Wir planen sehr langfristig, schauen uns genau an, welche Ressourcen Hamburg hat“, erklärt Mahmoud. Was die Kongresse betrifft, setzt sie auf neueste Techniken und die Flexibilität der Räume, Wände und Bestuhlung, die für jeglichen Bedarf individuelle Lösungen erlauben. „Denn wenn wir 2020 die Tore aufmachen, muss alles auf dem neuesten Stand sein.“ Frontbeschallung sei passé, auch Powerpointpräsentationen gehören der Vergangenheit an, weiß die 53-Jährige. „Bühnen in der Mitte und Hologramme sind die Zukunft, Letztere sowohl für die Präsentationen als auch für weltweit renommierte Speaker, die ja nicht überall zugleich sein können.“

Die bewegen was! Image 7
Man muss kein Wissenschaftler sein, um das zukünftige CCH zu besuchen, denn ein vielfältiges Veranstaltungs- und Konzertprogramm ist auch im neuen Konzept vorgesehen. Und Hamburger sind ausdrücklich willkommen!
— 
cch.de
Ebenfalls auf der Agenda sind sogenannte Hybrid-Meetings. „Wenn man bei einem Kongress 3000 bis 4000 Teilnehmer im Raum hat, aber weltweit Tausende Interessierte – da steckt auch gutes Business drin“, glaubt Mahmoud. „Schließlich kann man die wertvollen Inhalte mit Livestreaming oder zeitversetzt zusätzlich vermarkten.“

Wird es denn in Zukunft überhaupt noch analoge Kongresse geben? „Es gibt unzählige Studien, die belegen, dass Menschen Begegnung brauchen. Der persönliche Austausch ist durch nichts zu ersetzen!“ Und genau dafür sei das neue CCH bestens geeignet, findet Heike Mahmoud: „Man kommt rein in diese total offene Atmosphäre, hat durch die Glasfront einen sensationellen Blick in den Garten – dieses Gebäude kann die Stadt verändern!“, davon ist Mahmoud überzeugt. Und damit das gelingt, erweitert die neue Chefin des CCH unablässig ihr Netzwerk. Trifft sich mit der Hotellerie, bespricht sich mit dem Hamburg Convention Bureau, geht auf Akteure der Hamburger Wissenschaft und Wirtschaft zu, wirbt weltweit für den Standort Hamburg. „Das gelingt natürlich nur mit einem super Team“, sagt sie. Gerät man bei so viel Hamburg als Berlinerin nicht in einen Zwiespalt? Heike Mahmoud: „Hamburg hat eine tolle Willkommenskultur, das habe ich auch persönlich gespürt. Die Menschen sind total offen und freundlich. Man könnte auch sagen: Ich hab mich verliebt in diese Stadt!“

»Mit dem neuen CCH wollen wir die Zahl der Veranstaltungen und Besucher verdoppeln – mit bester Technik und in enger Kooperation mit Unternehmen und Wissenschaft«

Heike Mahmoud, Chief Operating Officer CCH
Sie hat Großes vor: Heike Mahmoud ist in Hamburg und weltweit unterwegs, um den Kongress-Standort Hamburg dahin zu holen, wo er hingehört: an die Spitze!
Sie hat Großes vor: Heike Mahmoud ist in Hamburg und weltweit unterwegs, um den Kongress-Standort Hamburg dahin zu holen, wo er hingehört: an die Spitze!



— „Als ich hier anfing, habe ich erst mal eine Nachtschicht mitgemacht, um zu begreifen, wie der Großmarkt Hamburg tickt“, erzählt Alexandra Adler, die hier seit Mai 2017 die Marketing- und Öffentlichkeitsarbeit übernommen hat: „Ab abends werden die Stände bestückt, und zwischen zwei Uhr nachts und sechs Uhr morgens ist hier richtig was los, Gabelstapler fahren hin und her, unzählige Händler und Kunden erledigen ihr Business.“ Ein Kulturschock, wenn man vom Webshop-Marketing eines großen Kaffeekonzerns kommt? „Null, ich mochte das alles auf Anhieb! Dieser raue, ehrliche Schnack untereinander, außerdem habe ich jeden Tag das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun.“

Die bewegen was! Image 9
Die Führungen über den Großmarkt finden viermal im Monat statt, Beginn 6 Uhr morgens, Treffen 5.45 Uhr, Eintritt: 10 Euro, Anmeldungen nur online. Eine Tüte Obst gibt’s zum Schluss dazu.
— 
grossmarkt-hamburg.de
Alexandra Adler hatte schnell die Idee, hier öffentliche Führungen anzubieten. „Ich schrieb viel über den Großmarkt, hatte viel Kontakt zu den Händlern und dabei immer gedacht, das müssen doch alle Hamburger kennenlernen!“ Die charakteristische wellenförmige Halle für interessierte Besucher zu öffnen ist nicht komplett neu, schließlich konnten sich Interessierte schon früher nach Bedarf anmelden. Aber regelmäßig öffentliche Führungen anbieten? Das kam erst bei der Geschäftsleitung und dann bei den ersten Besuchern gut an: Alle Termine waren ruckzuck ausgebucht. „Natürlich können wir hier nicht einfach alle reinlassen, schließlich haben wir strenge Hygiene- und Sicherheitsvorschriften.“ Geleitet werden die zweistündigen Führungen von Joachim Köhler. „Ich musste mich durchfragen, wer dafür infrage kommt. Joachim war schon zwei Jahre in Rente, hat aber vorher 47 Jahre im Ein- und Verkauf hier gearbeitet. Den haben wir dann zurückgeholt“, erzählt Alexandra Adler.

»Unsere Chefin Frau Steinmeyer sagte, ,Sie haben eine grüne Wiese vor sich, machen Sie einfach‘ – das musste sie mir nicht zweimal sagen!«

Alexandra Adler, Marketing und Öffentlichkeit Hamburger Großmarkt
Der Großmarkt öffnet sich. Und Alexandra Adler erklärt gern, warum. „Zum einen finden wir es wichtig, dass die Hamburger erfahren, dass Obst, Gemüse und Blumen aus fünf Kontinenten von hier in die Stadt und darüber hinaus verteilt wird. Das Wissen und Können unserer Händler ist enorm!“ Zum anderen könnten durch Veranstaltungen auch die Standmieten gering gehalten werden. Das Mehr! Theater hat 4000 Quadratmeter gemietet. Alexandra Adler: „Auch das Zusatzmuseum ist total spannend! Und wenn ,Harry Potter‘ nächstes Jahr startet – darauf freue ich mich besonders!“ Demnächst geht die neue Website online, auf der u. a. Endverbraucher Wissenswertes über Lebensmittel erfahren. Ihren ersten Job hatte Alexandra Adler übrigens im Heidepark Soltau, will aber keinesfalls einen Erlebnispark aus dem Großmarkt machen: „Aber ein bisschen mehr Bekanntheit und Anerkennung kann nicht schaden.“

Die Betonwellen der 1962 erbauten Großmarkthallen (Architekt: Bernhard Hermkes) sollten unbedingt mit drauf, deshalb stieg Fotografin Catrin-Anja Eichinger mit Alexandra Adler aufs gegenüberliegende Parkdeck
Die Betonwellen der 1962 erbauten Großmarkthallen (Architekt: Bernhard Hermkes) sollten unbedingt mit drauf, deshalb stieg Fotografin Catrin-Anja Eichinger mit Alexandra Adler aufs gegenüberliegende Parkdeck



— Eine ordentliche Ausbildung zur Hotelfachfrau, Auslandserfahrung in der Schweizer Hotellerie, ein Studium der Angewandten Kulturwissenschaften in Lüneburg, dazu 16 Jahre Vertriebserfahrung im Hotel „Vier Jahreszeiten“ sowie ein paar weitere Stationen – das sind nicht die schlechtesten Voraussetzungen, um Direktorin im Hotel „Louis C. Jacob“ zu werden. Und zwar die erste in den 227 Jahren seines Bestehens. „Für mich war es eine Riesenehre!“, freut sich Judith Fuchs-Eckhoff: „Ich habe mir nicht träumen lassen, nach so vielen Jahren als Verkaufs- und Marketingleiterin noch mal das Fach zu wechseln.“

Die bewegen was! Image 11
Die bewegte Geschichte des Hotels „Louis C. Jacob“ ist sicherlich ein ganzes Buch wert, lässt sich aber auch prima auf der Website des Hotels nachlesen.
— 
hotel-jacob.de
Drei Dinge hält Judith Fuchs-Eckhoff in ihrem Job für unverzichtbar: „Das Bewusstsein für Tradition und Geschichte unseres Hauses, gutes Teamwork und Kommunikation auf Augenhöhe, und zwar in jeglicher Hinsicht.“ Letztere pflegt die Chefin im Intranet des Hauses auch höchstpersönlich. „Natürlich sollen da alle mitmachen und sich gegenseitig informieren, aber als passionierte Fotografin habe ich jeden Schritt unserer großen Küchensanierung hier an der Elbchaussee festgehalten und im Intranet dokumentiert, damit auch unsere Mitarbeiter und Kolleginnen im ,CARLS‘ an der Elbphilharmonie das mitkriegen“, erzählt sie. Überhaupt, die Elbphilharmonie: „Da wollen wir mit unserer tollen Lage hier in Nienstedten natürlich punkten“, erklärt Fuchs-Eckhoff: „Durch langjährig gepflegte Kontakte sind wir in der glücklichen Lage, auf ein großes Kartenkontingent zurückgreifen zu können.“ Wie wäre es beispielsweise mit zwei Übernachtungen inklusive Elphi-Menü im „CARLS“ und Konzert des Sydney Symphony Orchestra plus einer Rückfahrt zum Hotel mit der hauseigenen Barkasse „MS JACOB“ bei Käse und Rotwein?

»Max Liebermann malte die Lindenterrasse 1902, hat hier sogar gewohnt für ein paar Wochen – bei der Vorstellung bekomme ich Gänsehaut«

Judith Fuchs-Eckhoff, Hoteldirektorin „Louis C. Jacob“
Aber Frau Fuchs-Eckhoff holt nicht nur die Gäste ins Boot, sondern auch ihre Mitarbeiter. „Mir ist es wichtig, dass sich alle gesehen fühlen und ein gutes Miteinander gelebt wird. Jeder sollte Verantwortung übernehmen, auch bei Kleinigkeiten, wenn beispielsweise in der Lobby ein Kissen aufgeschüttelt werden muss.“ Judith Fuchs-Eckhoff erzählt kenntnisreich und liebevoll von ihrem Hotel, in dem sie selbst 1999 geheiratet hat. „Jetzt gerade haben wir viele Goldene Hochzeiten von Paaren, die sich 1968 das Jawort gaben. Die Briefe und Fotos, die wir aus dieser Zeit kriegen – da wird mir einmal mehr bewusst, was für ein tolles Haus das ist!“

Nobel, aber nicht abgehoben – das gilt fürs Hotel, aber auch für die umtriebige Judith Fuchs-Eckhoff, hier vor dem berühmten Liebermann-Gemälde
Nobel, aber nicht abgehoben – das gilt fürs Hotel, aber auch für die umtriebige Judith Fuchs-Eckhoff, hier vor dem berühmten Liebermann-Gemälde

FOTOS — Catrin-Anja Eichinger
Datenschutz