Nachgefragt

Sagen Sie mal, Herr Hagen ...

Großveranstaltungen bringen Spaß, Gäste und Geld in die Stadt. Andererseits reagieren viele Anwohner genervt. Wie denken Menschen darüber, die beruflich in direkten Kontakt mit Großevents kommen, aber keine klassischen Touristiker sind? Wir fragten Ansgar Hagen, Polizeioberrat und Leiter der Davidwache auf St. Pauli
INTERVIEW — Michel Molenda 

H
err Hagen, wie bereiten Sie sich auf Großveranstaltungen vor?
Wir arbeiten eng mit Behörden und Veranstaltern zusammen. Im polizeilichen Fokus steht natürlich die Sicherheit der Veranstaltungen, auch unter dem Aspekt der Bürgerfreundlichkeit. Wir fragen uns: Hat die Veranstaltung Auswirkungen auf die Sicherheit? Den Verkehr? Gibt es Parallelveranstaltungen? Benötigen wir Unterstützung? Und vieles mehr. Je nach Beurteilung der Lage erarbeiten wir Einsatzkonzeptionen. Wo notwendig, wird auch der Veranstalter mit in die Pflicht genommen. In behördenübergreifenden Besprechungen stimmen wir uns als Polizei mit diesem ab. So eine Vorplanung bedeutet natürlich mehr Aufwand. Allerdings handelt es sich bei den meisten Veranstaltungen um wiederkehrende, da können wir auch auf die Erfahrungen mit vorangegangenen Veranstaltungen zurückgreifen.

Wie belastend sind Großveranstaltungen für Sie und Ihre Kollegen?
Natürlich ist jede Großveranstaltung eine Mehrbelastung. Der Schlagermove beispielsweise ist eine außergewöhnliche Veranstaltung, weil da einfach viele Menschen zusammen feiern und durch die Straßen ziehen. Aber auch hier sind die polizeilichen Abläufe seit Jahren erprobt. Zudem finden viele Großveranstaltungen am Wochenende statt, wenn die Polizei oftmals mit verstärkten Kräften im Einsatz ist. Hier werden die Einsatzkräfte im Stadtgebiet unter Prioritätsgesichtspunkten eingesetzt.

Chef der berühmtesten Polizeiwache Deutschlands: Ansgar Hagen, 50, leitet die Davidwache seit April 2017
Chef der berühmtesten Polizeiwache Deutschlands: Ansgar Hagen, 50, leitet die Davidwache seit April 2017

Man würde denken, dass mehr Personen auch mehr Straftaten bedeuten.
Grundsätzlich kann man sagen, dass mit der Zunahme der Besucherzahlen die Kriminalität nicht automatisch im gleichen Verhältnis steigt. Es hängt eher vom Charakter der Veranstaltung ab. Beim Schlagermove zum Beispiel geht es nicht um Krawall und Aggression, sondern um das, was man mit Schlager verbindet: Unterhaltung, Tanz, Party. Auch die Harley Days sind aus polizeilicher Sicht eine vom Grundsatz friedliche Veranstaltung. Wäre das nicht so, würden strenge Auflagen erteilt oder diese Veranstaltungen sogar verboten werden.

Wie gehen Sie bei solchen Events mit Belangen der Anwohner um?
Das Thema Großveranstaltung hat gesellschaftlich in den letzten 30 Jahren eine ganz andere Dynamik bekommen. Die Bedeutung solcher Veranstaltungen für die Metropole Hamburg tritt in Konkurrenz zu den Interessen vieler Anwohner. St. Pauli ist international für sein Rotlicht- und Vergnügungsviertel bekannt. Es handelt sich eben um einen pulsierenden, lebhaften Stadtteil einer Großstadt mit Innenstadtnähe. Polizeiliches Ziel ist es, auch bei Veranstaltungen, Beeinträchtigungen für Unbeteiligte auf das unabdingbare Maß zu reduzieren. Durch Auflagen oder Absprachen mit Veranstaltern und Behörden kann man dadurch einiges erreichen.

Sie fahren leidenschaftlich gern Motorrad und Fahrrad. Würden Sie Ihre Polizeimütze bei einem Event gern einmal gegen Motorrad- oder Fahrradhelm tauschen?
Ich besuche gern auch privat Veranstaltungen in Hamburg. Bei den vielen Events ist für jeden etwas dabei. Für mich macht das den besonderen Reiz der Stadt aus. Aber bei den Cyclassics mitfahren? Davor habe ich aus konditionellen Gründen einfach zu viel Respekt!

FOTO — Catrin-Anja Eichinger
Datenschutz