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Gute Köpfe

Auf die gute Tour

Sie kennen Hamburg von Aalsuppe bis Zollmuseum und führen ihre Gäste mit Liebe und Leidenschaft durch die Stadt. Sieben Tourguides über ihre Konzepte, Qualitätssicherung und was sie immer wieder motiviert
TEXT — Ulrike Fischer 

— Wo Erwin draufsteht, ist auch Erwin drin – und deshalb kennen nur Eingeweihte den wahren Namen des ersten Nachtwächters von St. Pauli. Als solcher führt Enzo Maniscalco seine Gäste jetzt schon seit 15 Jahren über den Kiez und freut sich, wenn Kollegen ihn auch vor Gästen mit „Hallo Erwin“ grüßen. Erwin startet wie früher die Matrosen an den Landungsbrücken rauf zum Hamburger Berg, zeigt Wahrzeichen und Bekanntes, aber auch weniger prominente Ecken, wie die katholische Kirche auf der großen Freiheit. Er erzählt Anekdoten und Historisches, greift in der „Ritze“ gern mal zur Gitarre und singt gemeinsam mit seinen Gästen „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“. Und über die Jahre ist der Nachtwächter so selbst ein Wahrzeichen Hamburgs geworden. „Es ist schon toll, dass man mich sogar in Stuttgart, München und Zürich kennt“, erzählt der ausgebildete Schauspieler mit sattem Bariton. Wer nicht gerade einen Rundgang gebucht hat, aber abends an ihm vorbeiläuft, ruft gern mal „Die Tour habe ich auch schon gemacht“ oder: „Das will ich unbedingt noch machen!“ – beste Mund-zu-Mund-Propaganda.

Daumen hoch, die Kerze brennt: Nachtwächter Erwin in seinem Element. Die coole Brille ist eine Spezialanfertigung. Er hat sie selbst entworfen
Daumen hoch, die Kerze brennt: Nachtwächter Erwin in seinem Element. Die coole Brille ist eine Spezialanfertigung. Er hat sie selbst entworfen

»Nachtwächter Erwin ist auch eine Respektsperson. Da werden Betrunkene brav und meine Gäste fühlen sich sicher«

Erwin, Nachtwächter von St. Pauli
Der Weg zum Nachtwächter gelang auf Umwegen. Hatte der junge Enzo Maniscalco noch Fotosetzer und Repro-Fotograf gelernt, nebenbei zum Kampfsport gefunden und einige Jahre als Türsteher auf dem Kiez gearbeitet (kann man St. Pauli besser kennenlernen?), zog es ihn schon bald nach Berlin zur Schauspielausbildung. Dann der Schock: „Ich wollte mich entfalten, kreativ sein, bemerkte aber schnell, dass das gar nicht erwünscht war. Stattdessen war man Erfüllungsgehilfe des Regisseurs.“ Zurück in Hamburg gab er den Tourguide damals eigentlich nur, nachdem ihn Freunde herausgefordert hatten. Er startete einen dreimonatigen Test und merkte schnell, dass er in der selbst entwickelten Rolle des Nachtwächters Erwin eine seiner vielen Bestimmungen gefunden hatte. Heute beschäftigt Erwin fünf „Brüder“, ohne die die abendlichen Touren an 365 Tagen im Jahr mit Gästen aus aller Welt, aber fast 50 Prozent Hamburgern gar nicht möglich wären. Kollegen zu finden war nicht so einfach: „Du musst ja sehr viel wissen, aber auch die Rolle des Nachtwächters perfekt spielen können. Wer vor den Leuten nur rumzappelt, verliert ganz schnell die Aufmerksamkeit. Ich habe schließlich bei Theatern angefragt. Jetzt habe ich tolle Kollegen, die ihr Handwerk beherrschen und einfach gute Entertainer sind.“ Zur Qualitätssicherung schickt der Chefnachtwächter trotzdem regelmäßig Tester mit. „So bekommt jeder auch ein wichtiges Feedback! Schließlich tragen wir Verantwortung: den Gästen, dem Unternehmen und der Stadt gegenüber.“

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Alle vorgestellten Unternehmen sind vom TVH und HHT geprüfte und zertifizierte Gästeführer. Das Qualitäts-Signet (l.) soll sich als Orientierungshilfe für Gäste auf der Suche nach einer qualitativ hochwertigen Dienstleistung etablieren. Die Offensive ist als Pilotprojekt auf drei Jahr angelegt, alle Partner arbeiten gemeinsam an einen kontinuierlichen Qualitätsprozess.
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tourismusverband-hamburg.de
15 Jahre, wird es da nicht irgendwann auch langweilig? „Überhaupt nicht!“, findet Erwin: „Jede Gruppe ist anders, man muss sich immer wieder neu einstellen. Ob Schulklasse, Firmenführung oder offene Tour. Und auch die Routen können ja ganz unterschiedlich ausfallen. Klar sind bestimmte Hotspots wie Davidwache, Herbertstraße etc. gesetzt, aber ich variiere auch immer wieder, kann kreuz und quer oder auch rückwärts führen – es macht mir einfach unheimlich viel Spaß!“ Und da Enzo auch noch regelmäßig im Zirkus Roncalli, auf AIDA-Reisen und bei Firmen auftritt, ist nicht nur für Abwechslung gesorgt – der Spaß rechnet sich auch noch!

Auf der Reeperbahn mittags um zwei: Nachtwächter Erwin (r.) trifft auch tagsüber laufend Bekannte auf dem Kiez. Und ja, es war wieder mal grau und windig. Gastliebe-Chefredakteurin Ulrike Fischer trug’s mit Schal und Fassung
Auf der Reeperbahn mittags um zwei: Nachtwächter Erwin (r.) trifft auch tagsüber laufend Bekannte auf dem Kiez. Und ja, es war wieder mal grau und windig. Gastliebe-Chefredakteurin Ulrike Fischer trug’s mit Schal und Fassung



— Sozialpädagogin, Diplom-Volkswirtin, Betriebsrätin, Personalreferentin und ganz früher Krankenschwester: Senta Barthel kann aus vielen Qualifikationen schöpfen, um mit den vielfältigen Aufgaben und Herausforderungen umzugehen, die sie als Geschäftsführerin von Pedalotours, ihrem kleinen, aber feinem Rikscha-Unternehmen, hat.

In der Dienerreihe 3, im Herzen der Speicherstadt parken acht ihrer Fahrrad-Rikschas, mit denen sich Touristen und Einheimische auf komfortable und persönliche Art die Stadt zeigen lassen, auch einen Fahrradservice bietet Pedalotours hier an. Zwei weitere Rikschas betreibt Senta für die Europapassage.

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Rund 20 Rikschas fahren aktuell durch Hamburg, Senta Barthel würde sich mehr wünschen. Zum Vergleich: In Berlin bieten mehr als 250 Fahrer ihre Dienste an.
— 
pedalotours.de
„Ich hatte schon früher mit dem Gedanken gespielt, mich selbstständig zu machen. Als Bruno Hurth mich vor acht Jahren nach dem Basketballtraining fragte, ob ich nicht Lust hätte, einen Rikschabetrieb zu gründen, überlegte ich nicht lange und sagte zu.“ Senta kündigte ihren Job und in nur drei Monaten zogen sie das Business gemeinsam hoch. Bruno war Vermarkter und schon stadtbekannter Tourguide, Senta war für Personal, Organisation, Finanzen und die strategische Ausrichtung zuständig. Seit Brunos viel zu frühem Tod führt sie Pedalotours allein. „Ich handle die Werbeverträge aus, trage Verantwortung für das Programm sowie die Qualität unserer Touren. Wer bei Pedalotours arbeiten will, darf erst mal Probe fahren. Außerdem haben wir unsere Touren gefilmt, sodass man eine genaue Vorstellung von der Tätigkeit bekommt.“

»Auch wenn wir kein riesiger Betrieb sind: In Zeiten von Luftverschmutzung und viel Verkehr bieten Rikschas eine gute Alternative. Bei einer Tour um die Alster entdeckt man nicht nur Natur und elegante Villen, man kann auch herrlich entschleunigen«

Senta Barthel, Pedalotours
Tourguide Renate kommt dazu, um über die Zertifizierung durch den Tourismusverband zu erzählen. „Die Prüfung ist nicht ohne, weil sehr detailliert gefragt wird“, erzählt sie. „Zum Beispiel musste ich die Erbauungsjahre aller drei Häuser der Kunsthalle richtig zuordnen. Das kannst du nicht grob einordnen, das musst du exakt wissen.“ Zur Qualität sollte Renates Ansicht nach auch eine Touristen-Information auf dem Rathausmarkt beitragen. „Ich gebe gern Auskunft, wenn ich auf dem Platz auf Kunden warte, aber nach dem 50. Mal ist auch mal gut. Da sollte sich Hamburg einen Ruck geben!“ Senta fährt selbst keine Touren, bekommt aber täglich mit, was die Kolleginnen und Kollegen leisten: „Das ist ein anspruchsvoller Job, weil man Wissen, Fingerspitzengefühl und Durchhaltevermögen braucht. Das kann nicht jeder, ich finde das sehr bewundernswert.“

Jedes Wetter ist richtig, wenn die Kleidung stimmt. Und für Gäste gibt es kuschelige Decken. Renate (r.), die auch auf Englisch Touren moderiert, wünscht sich, dass weniger Männer Berührungsängste hätten, von einer Frau gefahren zu werden. Senta ergänzt: „Wir haben ja auch E-Antrieb!“
Jedes Wetter ist richtig, wenn die Kleidung stimmt. Und für Gäste gibt es kuschelige Decken. Renate (r.), die auch auf Englisch Touren moderiert, wünscht sich, dass weniger Männer Berührungsängste hätten, von einer Frau gefahren zu werden. Senta ergänzt: „Wir haben ja auch E-Antrieb!“



— Piet Beerepoot ist eigentlich ein Landei. In den Niederlanden geboren und in Esenshamm im Oldenburgischen aufgewachsen, zog er in den 1980er- Jahren fürs Studium erst nach Göttingen und dann nach Hamburg, St. Georg. „Und das war auch gleich die Initialzündung“, erzählt der Diplompädagoge. „Damals war St. Georg noch ein richtiges Schmuddelviertel, ich fand es total interessant in seiner ganzen Vielfalt, habe mir alles sehr genau angesehen. Und dann festgestellt, dass viele meiner Hamburger Freundinnen und Freunde die eigene Stadt gar nicht kannten. Wenn wir uns verabreden wollten und ich sagte da und da, kamen immer Fragen ,Was ist das denn?‘ oder ,Wo ist das? Nie gehört!‘ – das fand ich erstaunlich.“

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Jetzt im Buchhandel:
Die frisch überarbeitete Version des Klassikers „Hamburg: 20 Stadtteil-Spaziergänge“. Die meisten der Rundgänge lieferten die Tourguides von Stattreisen Hamburg.
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junius-verlag.de
stattreisen-hamburg.de
Schon während des Studiums kam Beerepoot mit der Gruppe Stattreisen in Kontakt, die damals in Berlin aktiv war. „Statt zu reisen, die eigene Stadt entdecken – das war 1989 ein ganz neues Konzept! Das wollte ich für Hamburg auch machen.“ Piet setzte sich mit den Kollegen in Berlin in Verbindung, tauschte Erfahrungen aus und baute Schritt für Schritt Stattreisen Hamburg auf: „Auf St. Pauli waren wir die Ersten mit diesen Führungen, heute gibt es weit mehr. Und natürlich führen wir auch Touristen. Aber ein Großteil sind Hamburgerinnen und Hamburger!“ Sieben Festangestellte erledigen mittlerweile die Büroarbeit, rund 60 Freie führen zu über 30 Themen von Kindertour bis Street-Art. „Bei uns arbeiten Stadtplaner und Architekten, Geografen und Historiker, aber auch Nichtakademiker, die ihre Stadt ebenso lieben wie kennen. Alle werden didaktisch von uns geschult, denn das Wissen allein genügt nicht. Man muss es auch vermitteln können.“ Auf das hervorragende Know-how über Hamburger Kultur, Kunst und Architektur und auch entlegenere Stadtteile wie zum Beispiel Rahlstedt oder Wilhelmsburg wurde vor einigen Jahren der Hamburger Junius Verlag aufmerksam und gibt in Kooperation mit Stattreisen Hamburg seitdem eine ganze Reihe spannender Stadtteil-Bücher und Rundgänge heraus.

»Wir tragen auch zur Entzerrung des Tourismus bei, bieten zum Beispiel Touren auf die Elbinsel nach Wilhelmsburg, da ist man in sieben Minuten mit der Fähre«

Piet Beerepoot, Stattreisen Hamburg e.V.
Auch nach bald 30 Jahren ist nicht ein Funke von Ermüdung bei Piet Beerepoot zu entdecken. Begeistert erzählt er von der beliebten Beatlestour auf dem Kiez, aber auch vom Hamburger Festungsrundgang, der ganz neu im Angebot ist. Und natürlich von seiner persönlichen Lieblingstour: „Den Rundgang ,Weltkulturerbe – Kontore, Speicherstadt und die Hafencity‘ finde ich spektakulär! Wo kann man auf engstem Raum so viel Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unserer Stadt spüren?“

Ein Foto? Bitte am Stintfang! Piet liebt den Ausblick über Elbe, Hafen und Landungsbrücken. In der hier einzigartig gelegenen Jugendherberge hat Stattreisen auch schon Verbandssitzungen abgehalten
Ein Foto? Bitte am Stintfang! Piet liebt den Ausblick über Elbe, Hafen und Landungsbrücken. In der hier einzigartig gelegenen Jugendherberge hat Stattreisen auch schon Verbandssitzungen abgehalten



— Vom Nebenjob zum Geschäftsführer: Als der gelernte Hotelfachmann Mischa Sablin vor ein paar Jahren das Abitur nachholen wollte, musste ein Einkommen her. Und da er Hamburg liebte und kannte, lag es nahe, sich als Gästeführer zu versuchen. Er heuerte bei diversen gestandenen Tourguides an (auch bei Uwe Schindzielorz, r.) und vermutlich gibt es kaum ein Tourguide-Unternehmen, für das er nicht arbeitete. Mischa war neugierig, wollte begreifen, wie das Ganze funktioniert. „Hier kennt jeder jeden und man hilft sich gegenseitig, ich habe wirklich bei allen gelernt!“, erzählt der gebürtige Ukrainer, der als Siebenjähriger mit seinen Eltern nach Hamburg kam. Vor viereinhalb Jahren startete er mit Abenteuer Hamburg seine Selbstständigkeit. Freunde bauten ihm die Website, mit der er sich bei allen gängigen Portalen anmeldete. „Mit guten Bewertungen kriegst du schnell mehr Kundschaft“, erzählt Mischa. An seine erste Tour erinnert er sich bestens. „Ich hatte mir extra ein ,Zur Ritze‘-T-Shirt besorgt und ein großes Schild, damit mich die Leute sehen. Meine Kundschaft war dann ein Pärchen, beide Polizisten. Der Mann wirkte total gelangweilt und desinteressiert im Gegensatz zu seiner Frau. Ich war verzweifelt, denn gleich am Anfang schlechte Bewertungen zu kriegen, wäre eine Katastrophe gewesen. Irgendwann sagte ich ganz direkt ,Ich weiß gar nicht was ich machen soll, das läuft hier ja total schief!‘ Da guckte mich die Frau erstaunt an: ,Mein Mann hat noch nie jemandem so viel Aufmerksamkeit geschenkt wie Ihnen in der letzten Stunde!‘ – das war schon schräg“, erzählt Mischa. Das Paar schrieb ihm hinterher ein sehr gutes Feedback. Und so arbeitete sich der engagierte Unternehmer Bewertung für Bewertung nach oben.

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Das gewisse Extra: Mischa Sablin sieht sich als den Gastgeber unter den Guides. Auf den Rundgängen gibt es immer ein bisschen mehr als erwartet, zum Beispiel ein zweites Getränk oder ein halbes Franzbrötchen.
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abenteuerhamburg.de
Heute beschäftigt Mischa Sablin bereits 50 (!) Leute. Seine Auswahlkriterien sind streng, die Tourguide-Prüfung muss man beim ersten Mal bestehen, sonst ist man raus. „Dafür kann man sich hinterher 100-prozentig auf ihn verlassen“, erzählt Eirini Tourgaidou, seine Assistentin. Sie hat Tourismus- und Eventmanagement studiert und ist seit eineinhalb Jahren im Team: „Bei uns herrscht keine Trennung von Job und Privatleben, irgendwie gehören wir alle zusammen. Mischas Philosophie: ,Wir umarmen einfach jeden!‘, wird von allen gelebt.“ Beim Interview entschuldigt sie sich lachend sich für ihr cooles Abend-Outfit mit Lederrock und schwarzen Strümpfen: „Ich habe heute auf dem Kiez noch eine unserer Partytouren.“

»Der Anfang war ein Mix aus Feiern, Arbeiten, Firma-Aufbauen. Mittlerweile sind wir 50 Leute. Und wachsen weiter – nicht nur in Hamburg«

Mischa Sablin, Abenteuer Hamburg
Eirini Tourgaidou (sie heißt wirklich so, das ist kein Künstlername!) wurde in Hamburg geboren, hat aber griechische Wurzeln, Mischas Herkunft verrät der leichte Akzent, ein Mix aus Hamburgisch mit russischem Einschlag. Beide können sich nicht vorstellen, woanders als in Hamburg zu leben!
Eirini Tourgaidou (sie heißt wirklich so, das ist kein Künstlername!) wurde in Hamburg geboren, hat aber griechische Wurzeln, Mischas Herkunft verrät der leichte Akzent, ein Mix aus Hamburgisch mit russischem Einschlag. Beide können sich nicht vorstellen, woanders als in Hamburg zu leben!



— „Wir sind eine echte Kuscheltruppe!“, ist einer der ersten Sätze, der aus dem großen Mann mit dem Pferdeschwanz herauspurzelt. Es werden viele Sätze folgen und das ergibt auch Sinn, denn Uwe Schindzielorz hat viel erlebt. Er schwärmt von Coco und Annika, seinen engsten Mitarbeiterinnen, mit denen er „Unser Hamburg“ in den letzten sechs Jahren aufgebaut hat, und erzählt, dass Annika, die nach Amerika wollte, jetzt von „drüben“ Telefondienst und Buchungen macht. Kürzlich ließ er sie sogar als Überraschungsgast einfliegen. Dann führt der ehemalige Bauunternehmer, zweimal glücklich geschieden und beim zweiten Mal eher ärmer als reicher geworden, durch seine Räume direkt an der Reeperbahn 83. Über drei Stockwerke verteilen sich Büro, Schulungsräume und das Erlebnis-Loft mit allerhand frivolem Dekor, Poledance-Stange, Bierdosenhimmel auf dem Klo und zwei Bars. Ein Pausenstopp auf der Tour über den Kiez. „Fast alles selbst entworfen und gebaut!“, erzählt Uwe stolz. Das Loft wird auch von Hamburg Tourismus geschätzt, denn Uwe holt die Gäste zwischendurch von der Straße und bringt ihnen bei, wie man sich auf dem echten Kiez zu benehmen hat.

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Der schönste Satz von Uwe Schindzielorz ist so einfach wie rührend: „Wenn Hamburg eine Frau wäre, ich würde ihr sofort einen Antrag machen!“
— 
unser-hh.de
Im Gespräch merkt man schnell: Der Mann ist ein Macher. „Ich hab bei einem Mitbewerber angefangen und bald gedacht: Das kann ich doch selber! Als ich dann Kollegen davon erzählte, winkten die nur ab: ,Der Markt ist besetzt, das kannst du vergessen!‘ – da war mein Ehrgeiz erst recht geweckt!“

»Früher war ich Bauunternehmer, aber mit Steinen kann man nicht reden. Ich brauche einen Job mit Menschen!«

Uwe Schindzielorz, Unser Hamburg
Uwe bietet acht feste Touren plus diverse individuelle Angebote an, bildet seinen Leute selbst aus und ist überzeugt, dass sich das Tourguide-Business für ihn im großen Stil am meisten lohnt: „32 000 Gäste haben wir letztes Jahr durch die Stadt geführt, das schafft bei der Qualität nicht jeder! Du musst eben auch ein erfahrener Vertriebler und Netzwerker sein.“ Gute Deals mit großen Reiseveranstaltern und satte Nachlässe gehören für Uwe dazu: „Dafür nehme ich in Kauf, dass mich nicht alle lieben!“ In der Hochsaison starten zeitgleich 200 Gäste verteilt auf zehn Tourguides an der U-Bahn St. Pauli. „Ich will meinen Kunden die Stadt in allen Facetten zeigen, aber auch, wie sie für jedes Budget touristisch am meisten für sich rausholen!“ Die über 1600 positiven Bewertungen und Kommentare im digitalen Gästebuch sprechen für sich.

Einer der Lieblingsorte von Uwe Schindzielorz: die HafenCity. Der gebürtige Kasseler führt immer noch selbst Touristen durch die Stadt, beschäftigt heute 40 Tourguides und sucht weiterhin Verstärkung für sein Team.
Einer der Lieblingsorte von Uwe Schindzielorz: die HafenCity. Der gebürtige Kasseler führt immer noch selbst Touristen durch die Stadt, beschäftigt heute 40 Tourguides und sucht weiterhin Verstärkung für sein Team.

FOTOS — Catrin-Anja Eichinger
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